#npbhro 03|13

Submitted by ij on 8 March, 2013 - 07:38

Auch im März gibt es in Rostock wieder Gelegenheit, über netzpolitische Themen mit anderen zu diskutieren. Ob es nun das neue Transparenzgesetz in MV (Entwurf), den Welttag gegen Internetzensur am 12. März oder zum Beispiel das Open Data Portal der Stadt Rostock. Oder auch der Entwurf zum europäischen Datenschutzreform. Themen gibt es sicherlich genug.

Kommt am Montag, d. 11. März 2013 einfach ab 18 Uhr ins Plan B am Doberaner Platz und diskutiert mit! Wir freuen uns!

 

 

Transparenzgesetz

Submitted by ij on 8 February, 2013 - 23:34

Ein Bündnis von Parteien und NGOs hat sich 2012 in Hamburg zusammengefunden, um über den Weg eines Volksentscheids ein Transparenzgesetz für den Stadtstaat auf den Weg zu bringen. Doch bereits nachdem die erste Unterschriftenhürde erfolgreich genommen wurde, übernahm der Hamburger Senat die Initiative und verabschiedete das Transparenzgesetz in Hamburg.

Nach diesem Vorbild wollen auch wir in Meckelnburg-Vorpommern, daß die Behörden transparenter werden und von sich aus ihre Daten weitestgehend proaktiv veröffentlichen. Hier laden wir alle interessierten Parteien und NGOs zur Mitarbeit ein.

Die Fraktion im Landtag MV von Bündnis90/Die Grünen hat bereits mit http://www.transparenz-mv.de/ vorgelegt und zur Diskussion gestellt.

 

Bündnis

Das Bündnis besteht derzeit aus: 

Organisationen (voraussichtlich):

  • Netzpolitische Bürger Rostock

Parteien (voraussichtlich):

  • Piratenpartei MV
  • B90/Grüne
  • DieLinke KV Rostock

 

1. Treffen am 11.Februar 2013

Das erste Treffen fand am Montag, d. 11. Februar im Plan B in Rostock ab 18 Uhr statt. Anwesend waren Vertreter verschiedener Parteien wie zum Beispiel von Piratenpartei und Bündnis90/Die Grünen. Aber auch ein paar Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen. Insbesondere Johannes Saalfeld, MdL (B90/Grüne) nutzte die Gelegenheit, um den veröffentlichten Entwurf der Landtagsfraktion vorzustellen, aber auch zur Diskussion zu stellen. 

Der Entwurf basiert natürlich auf dem Transparenzgesetz von Hamburg, nimmt aber auch Teile aus einer Berliner Initiative auf. Auf der Webseite transparenz-mv.de ist der Entwurf einseh- und kommentierbar. Auch wenn vielleicht ein Wiki ein geeigneteres Werkzeug zum gemeinsamen Fortentwickeln des Entwurfs wäre, hat die jetzige Plattform den Vorteil, daß wir uns nicht selber mit der Technik herumschlagen müssen, sondern uns auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können.

Neben dem Entwurf wurde auch besprochen, wie man den Gesetzentwurf in den Landtag einbringen kann. Die Möglichkeit einer Volksinitiative bzw. Volksentscheids besteht zwar theoretisch, ist aber im dünnbesiedelten Flächenland Mecklenburg-Vorpommern schwierig umzusetzen. In den vergangenen 20 Jahren war keine dieser Initiativen erfolgreich. Deshalb werden wir wohl versuchen müssen, den Entwurf über die Opposition im Schweriner Landtag einzubringen. Um aber auch auf die Regierungskoalition Druck machen zu können, brauchen wir auch weiterhin ein breites und starkes Bündnis von NGOs, die sich auch an der Arbeit am Gesetzentwurf beteiligen und uns untersützen möchten.
 

3. März 2013 - Synopse des Entwurf verfügbar

Am 21. März wurde mir die Synopse aus Hamburger Transparenzgesetz, dem Berliner Entwurf und dem Entwurf der Grünen in MV zugeschickt. Diese ist auch auf www.transparenz-mv.de finden.

Attachment 

 

#npbhro 02|13

Submitted by ij on 5 February, 2013 - 22:45

Auch im Februar treffen wir uns wieder am Montag, d. 11.02. ab 18 Uhr im Plan B am Doberaner Platz. Der Tisch ist bereits reserviert. Als Thema dürfte schon gesetzt sein, daß wir versuchen wollen, nach der erfolgreichen Volksinitiative für ein Transparenzgesetz in Hamburg, auch in Mecklenburg-Vorpommern ein solches Transparenzgesetz auf den Weg zu bringen.

Hierzu suchen wir natürlich noch weitere Mitstreiter, die wir an dieser Stelle auch gerne zu Montag einladen möchten!

 

#npbhro 01|13

Submitted by ij on 29 December, 2012 - 18:53

Auch im Jahr 2013 wollen wir uns wieder treffen und netzpolitische Themen vorantreiben und auf die politische Agenda setzen. Insbesondere weil ja auch Bundestagswahl sein wird. Wie bereits beim Treffen im Dezember wird auch dieses #npbhro wieder an einem Montag, den 14. Januar ab 18 Uhr im Plan B stattfinden. Der Tisch ist schon reserviert.

 

#npbhro 11/12

Submitted by ij on 6 November, 2012 - 22:43

Hiermit lade ich wieder alle interessierten Bürger und Politiker ein, sich über netzpolitische Themen am Dienstag, d. 13. November 2012 ab 18 Uhr im Plan B am Doberaner Platz in Rostock auszutauschen! Wir haben im letzten Monat ein bißchen Brainstorming gemacht und wollen nun das eine oder andere Projekt angehen bzw. vertiefen, wie zum Beispiel in Schulen über Datenschutz in sozialen Netzwerken aufzuklären.

 

Pressemitteilung: Mehrheit der Rostocker Bürger gegen Vorratsdatenspeicherung

Submitted by ij on 14 October, 2012 - 01:09

Sehr geehrte Damen und Herren,

am heutigen Samstag, d. 13. Oktober 2012 fand im Vorfeld der Anhörung vom Petenten Kai-Uwe Steffen, dessen Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung von über 64.000 Bürger mitgezeichnet worden war, vor dem Petitionsausschuss am Mntag, d. 15. Oktober ein bundesweiter Aktionstag in fast 30 Städten gegen die Vorratsdatenspeicherung (VDS) statt.

In Rostock informierten die Piratenpartei MV und die Netzpolitischen Bürger Rostock anläßlich des Aktiontages die Passanten mit einem Infostand und Informationsmaterial. Hierzu veröffentlichen die Netzpolitischen Bürger Rostock folgende Pressemitteilung: 


Pressemitteilung: Bundesweiter Aktionstag gegen die Vorratsdatenspeicherung in Rostock am Samstag, d. 13. Oktober 2012

Die Netzpolitischen Bürger Rostock boten den vorbeieilenden Passanten Flyer an und fragten: "Vorratsdatenspeicherung?" - "Nein, danke!", war die Antwort vieler.

Auch wenn diese Anekdote eher zum Schmunzeln verleitet, so war der Anlass durchaus ernst, warum die Piratenpartei MV[1] zusammen mit den Netzpolitischen Bürger Rostock[2] an einem Samstag auf dem Universitätsplatz Infomaterial und Flyer zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) in Rostock verteilten und sich damit am bundesweiten Aktionstag[3] beteiligten, der auch noch in 28 anderen Städten stattfand. Anlass ist die am Montag stattfindende Anhörung vor dem Petitionsausschuß von Hauptpetent Kai-Uwe Steffens vom AK Vorrat[4], der Petition gegen die VDS[5] am 15. März 2011 eingereicht hatte, und der im Namen von ca. 64.704 Mitpetenten den Bundestag auffordern wird, sich für ein europaweites Verbot der Vorratsdatenspeicherung einzusetzen.

Bei der VDS sollen die Kommunikationsdaten aller Bürger, entsprechend der EU-Richtlinie, zwischen 6 und 24 Monate ohne Anlass gespeichert werden. Das bedeutet im Wesentlichen die Speicherung sämtlicher Komunikation der Bürger: wer hat wann mit wem und wie lange telefoniert? Und auch von wo, wenn man ein Handy benutzt hat. Damit wird das Kommunikationsverhalten der Bürger von den Ermittlungsbehörden über einen langen Zeitraum hinweg auswertbar, ohne dass gegen diese Bürger ein begründeter Verdacht besteht, der einen solchen Eingriff in die Privatsphäre und das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung der Bürger rechtfertigt.

"Vielen Bürgern ist die Tiefe des Eingriffs in ihre Privatsphäre gar nicht bewußt. Deshalb beteiligen wir uns heute auch hier in Rostock an diesem bundesweiten Aktionstag gegen die Vorratsdatenspeicherung und versuchen, die Bürger aufzuklären. Denn noch immer denken viele, dass die Vorratsdatenspeicherung der Verbrechensbekämpfung dient. Aber sowohl Studien aus den Mitgliedsstaaten der EU als auch eine Studie des Bundeskriminalamtes konnten keine Verbesserung der Aufklärungsquote durch die Vorratsdatenspeicherung belegen. Stattdessen wird der Bürger unter Generalverdacht gestellt und seine gesamte Kommunikation über Monate hinweg gespeichert", sagt Ingo Jürgensmann von den Netzpolitischen Bürgern Rostock.

"Vorratsdatenspeicherung? Nein, danke!" ist das Ziel des bundesweiten Aktionstages und nicht bloß eine Anekdote bei dem Versuch, die Passanten auf dem Rostocker Universitätsplatz mit Hilfe von Infobroschüren und Flyern über dieses Thema aufzuklären. Im Gegenteil, wie Klaus Klepik von der Piratenpartei MV feststellt: 

"Der heutige Aktionstag zeigt, dass sich die Rostocker Bürger sehr für das Thema Datenschutz interessieren. Man merkte heute, dass der Gedanke des Datenschutz bei den Rostocker Bürgern angekommen ist und sie gerne weitere Informationen an und aufnehmen. Obwohl es heute etwas schattig war in Rostock, konnten wir mit Bürgern über das leider gar nicht so präsente Thema Vorratsdatenspeicherung ins Gespräch kommen und viele Informationen verteilen. Solche Aktionstage sollten weit aus öfter durchgeführt werden."

So bleibt der Wortwechsel der eingangs erwähnte Wortwechsel mit einem Passanten zum Glück auch bloß eine nette und witzige Anekdote für ein ernstes Thema, denn am Ende des Infostandes waren fast alle Flyer verteilt und viele aufklärende Gespräche geführt worden.

Auch wenn am Montag die Anhörung vor dem Petitionsausschuss zum Thema VDS stattfinden wird, ist abzusehen, dass das Thema VDS damit noch nicht ad acta gelegt werden kann. Die massenweise und komplette Protokollierung jeglicher Kommunikation mittels Telekommunikationsmitteln aller EU-Bürger stellt einen nicht hinnehmbaren Eingriff in die Grundrechte der Menschen dar. Deshalb richtet sich die Petition auch klar gegen die Einführung der VDS und fordert die Bundesregierung auf, sich für die Aufhebung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung einzusetzen.

 

Links:
[1] Webseite Piratenpartei MV: http://piraten-mv.de/
[2] Webseite Netzpolitische Bürger Rostock: http://npbhro.de/
[3] Bundesweiter Aktionstag: http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Aktionstag_2012
[4] Webseite AK Vorrat: http://www.vorratsdatenspeicherung.de
[5] Petition gegen VDS von K.-U. Steffens: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2011/_03/_15/Petition_17143...
 

Unterstützer:

  • Piratenpartei MV
  • Netzpolitische Bürger Rostock
  • Dr. Harald Terpe, MdB, Bündnis 90/Die Grünen
  • Steffen Bockhahn, MdB, DieLinke
  • Dr. Sybille Bachmann, Mitglied der Bürgerschaft, Rostocker Bund
  • Maik Bunschkowski

 

Informationen:
Die Netzpolitischen Bürger Rostock (#npbhro) sind eine Gruppe von Bürgerrechtlern, Bürgern und Politikern, die das gemeinsame Ziel verfolgen, netzpolitische Themen in Rostock voranzutreiben und so ein Bindeglied zwischen Politikern und interessierten Bürgern zu sein. Im Rahmen der #npbhro fanden im letzten Jahr mehrere Aktionen statt wie z.B. ein Infostand gegen die Vorratsdatenspeicherung im Dezember 2011, die Demonstration gegen das Handelsabkommen ACTA im Feburar 2012 und eine Podiumsdiskussion im Rathaus zum Thema Datenschutz und OpenData, ebenfalls im Februar, sowie ein weiterer Infostand zum Thema ACTA im Juni 2012. Die Netzpolitischen Bürger Rostock trafen sich zum ersten Mal im August 2011.

 

Bilder:

Lizenz: CC:BY-SA (freie Verwendung möglich bei gleicher Bedingung (share-alike) und Namensnennung (Ingo Jürgensmann, http://npbhro.de/). Fotos in Originalgröße im Anhang auf dieser Webseite.

 

 

 

Pressemitteilung: "Zeig der VDS die rote Karte" am 13. Oktober in Rostock

Submitted by ij on 10 October, 2012 - 20:11

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 15.10. wird im Petitionsausschuss des Bundestages eine Anhörung der von mehr als 64.000 Menschen mitgezeichneten Petition von Kai-Uwe Steffens vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung[1] stattfinden.

Anlässlich der derzeitigen Debatten um die erneute Einführung der Vorratsdatenspeicherung und der anstehende öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestages[2] wollen wir gemeinsam gegen Vorratsdatenspeicherung ein Zeichen setzen. Dazu wird die Piratenpartei MV[3] zusammen mit den Netzpolitischen Bürger Rostock[4] als eine von rund 30 Städten im Rahmen des bundesweiten Aktionstages gegen Vorratsdatenspeicherung[5] unter dem Motto "Zeig der VDS die rote Karte!" einen Infostand in Rostock durchführen. Der Infostand wird von ca. 10-14 Uhr auf dem Universitätsplatz in Rostock zu finden sein.

Die Netzpolitischen Bürger Rostock (#npbhro) werden zudem unregistrierte, das heisst anonyme, aber funktionsfähige PrePaid-Handy-Karten an Vertreter von Politik und Presse verteilen. Gerade für die Presse ist es wichtig, nicht unter den Folgen der Vorratsdatenspeicherung (VDS) zu leiden. Dieser sogenannte "Chilling Effect" bedeutet, dass sich Menschen anders verhalten, wenn sie sich bewusst sind, dass sie überwacht werden. Im Zweifel wird also ein Informant nicht die Presse kontaktieren, um einen Mißstand aufzudecken, weil er sich bewusst ist, dass seine gesamte Kommunikation laut EU-Richtlinie zwischen 6 und 24 Monaten mitprotokolliert wird.
SIM-Karten für Handys müssen laut §111 TKG eigentlich auf den Anschlussinhaber registriert werden. Damit ist aber eine anonyme Nutzung des Handys insbesondere unter der Vorgabe der geplanten VDS nicht mehr möglich, weil eben über mehrere Monate hinweg nachvollziehbar ist, wer mit wem telefoniert hat. Journalisten sind eigentlich als Berufsgruppe ebenso wie Ärzte, Anwälte und Politiker aus der VDS ausgenommen, aber niemand sagt, wie dies in der Praxis geschehen soll, wenn ein Informant einen Journalisten anrufen möchte.
Deshalb verteilen die Netzpolitischen Bürger Rostock am Infostand in einer symbolischen Aktion funktionierende, aber guthabenlose PrePaid-Karten an Journalisten und Politiker. Der Vorrat an Karten ist begrenzt.
 

Zu dieser Aktion laden wir Sie als Berichterstatter ein.

Die offizielle Pressemitteilung des AK Vorrat: https://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/709/79/lang,de/
 

Unterstützer:

  • Piratenpartei MV
  • Netzpolitische Bürger Rostock
  • Dr. Harald Terpe, MdB, Bündnis 90/Die Grünen
  • Steffen Bockhahn, MdB, DieLinke
  • Dr. Sybille Bachmann, Mitglied der Bürgerschaft, Rostocker Bund
  • Maik Bunschkowski


Links:
[1] Webseite Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung: http://www.vorratsdatenspeicherung.de/
[2] Anhörung Petitionsausschuss: http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a02/aktuelles/__ffentlic...
[3] Webseite Piratenpartei MV: http://piraten-mv.de/
[4] Webseite Netzpolitische Bürger Rostock: http://npbhro.de/
[5] Webseite Aktionstag: https://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Aktionstag_2012


Informationen:
Die Netzpolitischen Bürger Rostock (#npbhro) sind eine Gruppe von Bürgerrechtlern, Bürgern und Politikern, die das gemeinsame Ziel verfolgen, netzpolitische Themen in Rostock voranzutreiben und so ein Bindeglied zwischen Politikern und interessierten Bürgern zu sein. Im Rahmen der #npbhro fanden im letzten Jahr mehrere Aktionen statt wie z.B. ein Infostand gegen die Vorratsdatenspeicherung im Dezember 2011, die Demonstration gegen das Handelsabkommen ACTA im Feburar 2012 und eine Podiumsdiskussion im Rathaus zum Thema Datenschutz und OpenData, ebenfalls im Februar, sowie ein weiterer Infostand zum Thema ACTA im Juni 2012. Die Netzpolitischen Bürger Rostock trafen sich zum ersten Mal im August 2011.

 

#npbhro 10/12

Submitted by ij on 6 October, 2012 - 18:13

Auch im Oktober findet wieder ein Treffen im Plan B statt! Da wir letzten Monat unseren Vortragsabend beim Politischen Donnerstag hatten, werden wir da sicherlich noch genauso einen Rückblick machen wie Maik noch vom AktivCongress in Hattingen im August berichten will.

 

Interview mit einer Mitläuferin in Rostock

Submitted by ij on 6 October, 2012 - 16:56

Vor einigen Monaten hat Johannes Ponader, seines Zeichens Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland, aber auch Künstler und Theaterregisseur, in einem Artikel in der Zeit seinen Rücktritt vom Amt öffentlich gemacht - vom Arbeitsamt. Seine Erlebnisse mit dem Amt, die er im Artikel schilderte, führten dazu, daß sich eine Bewegung formte, die den Betroffenen und Arbeitslosen helfen wollen, denn, so Ponader: 

Die Jobcenter teilen ihre Kunden in mehrere Kohorten ein: arbeitsmarktnah, arbeitsmarktfern, nicht vermittelbar. Doch es gibt auch eine inoffizielle Kategorie: Kunden, die ihre Rechte kennen. Sie kommen oft zu zweit aufs Amt, begleiten sich gegenseitig. Insider berichten, das seien etwa zwei Prozent der Kunden. „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.

Viele Antragsteller kennen ihre Rechte nicht oder sind einfach beim Gang aufs Amt eingeschüchtert. Die neue Bewegung, die sich aufgrund dieses Artikels in der Zeit gegründet hat, nennt sich "Die Mitläufer" und ihr Hilfsmodell ist so simpel wie wirksam: sie begleiten Menschen, die dies wollen, mit auf das Arbeitsamt bzw. in das Jobcenter und leisten ein wenig Beistand, passen vielleicht auf, daß die Menschen nicht eingeschüchtert oder gar über das Ohr gehauen werden.

Schnell haben sich in ganz Deutschland Menschen gefunden, die bereit sind, ein bißchen ihrer Freizeit zu opfern, um andere bei ihren Gängen auf das Amt, egal welches, zu begleiten. Sie nennen sich "Die Mitläufer" und ihre Webseite ist unter http://wirgehenmit.de/ zu finden. Auch in Rostock gibt es eine Mitläuferin: Nicole W. Hier ein Interview per Mail mit Nicole: 

Hallo Nicole! Magst Du dich kurz selber vorstellen?
Mein Name ist Nicole W. und ich bin 35 Jahre jung. In Rostock wohne ich erst seit 5 Jahren, ich komme ursprünglich aus dem Westen nahe Düsseldorf. Allerdings fühle ich mich sehr wohl in der Hansestadt und könnte mir unter keinen Umständen vorstellen wieder weg zu ziehen.
Ich bin dreifache Mama und alleine, weil Rostock sehr Familienfreundlich ist - und gerade der Stadtteil, in dem ich wohne, politisch sehr hart arbeitet, den Stadtteil wohnenswert zu machen und vor allem Familienfreundlich zu gestalten - ist es Grund genug, hier nicht mehr weg zu wollen.

Was sind die Mitläufer? Worum geht es bei http://wirgehenmit.org?
Mitläufer sind Menschen die in Ihrer Freizeit, anderen Menschen bei schwierigen oder überhaupt bei Ämtergängen beistehen und eben "Mitlaufen". Sie sind in Prinzip stumme Zeugen, die allein durch Ihre Anwesenheit dafür Sorge tragen, dass sich an geltende Gesetze gehalten wird und das derjenige, mit dem mitgelaufen wird, im Amt ordentlich behandelt und beraten wird.

Wie bist Du selber auf die Mitläufer aufmerksam geworden bzw. was ist deine Motivation, dich selber als Mitläuferin zu beteiligen?
Aufmerksam geworden bin ich durch Johanes Ponader und sein Wirrwar beim Amt und die daraus resultierende Medienschlacht mit anschließender Initiative bei Twitter, eine solche Sache zu starten. Ich fand die Idee von Anfang an gut und habe keine Sekunde gezögert, mich dort einzutragen.
Ich bin ein sehr sozialer Mensch und wenn ich mit solchen kleinen Gesten, anderen Menschen helfen und eventuell Hoffnung schenken kann, bin ich immer bereit, etwas zu tun.

Hattest Du schon selber Erlebnisse bei der Agentur für Arbeit bzw. im Jobcenter, bei denen Du dir einen Mitläufer gewünscht hättest?
Bedingt durch den tödlichen Unfall meines mittleren Sohnes vor etwa drei Jahren, hatte ich gerade in der Anfangszeit danach selber des öfteren Begleitung beim Amt. Damals habe ich schon erfahren wie anders man behandelt wird, sobald eine andere Person mit im Raum sitzt und das hat sich in den letzten drei Jahren so weiter gezogen, da ich immer mal wieder auf das Angebot von Begleitern zurückgegriffen habe. Die Beratung ist viel umfänglicher und man wird viel weniger schnell "abgespeist". Abgespeist wird man schnell, wenn man ins Amt geht und keine Ahnung hat, was seine eigenen Rechte sind, deswegen wäre generell mein Tipp, sich vor einem Amtsgang nach seinen Rechten und nach allen Möglichkeiten kundig zu machen. Das nur am Rande.
Nach dem Unfall war ich drei Jahre berufsunfähig und wurde relativ in Watte gepackt.Nachdem ich aber offiziell wieder einsatzfähig war, wechselte mein Sachbearbeiter (aus organisatorischen Gründen) und dieser hatte von der Vorgeschichte keine Ahnung, weil er offensichtlich seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Das Gespräch war nicht besonders schön: ich wurde als "Verweigerer" dargestellt und auch sonst nicht sehr nett behandelt. Zwar nicht schlecht, aber man hat einfach gemerkt, das man nur eine Nummer von Vielen ist, die lästig ist, weil sie schon solange nicht gearbeitet hat. Erst als beim Sachbearbeiter der Groschen gefallen war, was meine Vorgeschichte ist (nach der wortwörtlichen Frage:"Wieso sind sie denn so..naja so eben") wurde ein anderer Ton angeschlagen. Bei diesem Gespräch hätte ich gerne jemanden dabei gehabt, da ich mich danach nicht besonders gut gefühlt hatte. Auch wenn der Sachbearbeiter sich noch im Gespräch entschuldigt hatte. Aber es zeigte mir einfach wie mit Menschen umgegangen wird, die nicht ins Schema passen.

Hattest Du schon einen Einsatz als Mitläufer?
Bisher hatte ich noch keinen Einsatz als Mitläufer.

Weißt Du, ob das Projekt bereits in Rostock bei der Bevölkerung bekannt ist? Oder scheuen sich die Leute, um Hilfe zu fragen? Gibt es bereits Erfahrungen hierzu aus anderen Städten?
Ich persönlich denke, diese Initiative ist nicht sehr bekannt.Ich habe meine Mitmenschen schon des öfteren drauf angesprochen und mich als "Mitläufer" angeboten, aber ich glaube, viele denken das man gar keine andere Person dabei haben darf oder sie haben Angst und scheuen sich.

Wie kann man selber Mitläufer werden und anderen helfen? Wie kann man helfen, wenn man selber keine Zeit hat, weil man zum Beispiel selber arbeiten muss?
Mitmachen ist ganz einfach. Es gibt eine Liste auf der man sich eintragen kann und schon ist man dabei. Außerdem gibt es noch etliche andere Möglichkeiten diese Initiative zu unterstützen. All das ist zu finden unter http://wirgehenmit.org/.

Wie ist deine Einschätzung zur gesellschaftlichen und politischen Bedeutung der Mitläufer? 
Ich schätze die Bedeutung sehr hoch ein. Auf diese Art zeigen die Menschen, dass sie nicht mehr alles mit sich machen lassen, nur weil sie in einer momentan schlechteren Position verharren.

Sind die Mitläufer dein einziges ehrenamtliches Engagement oder gibt es da noch mehr?
Seit etwa zweieinhalb Jahren bin engagiere ich mich freiwillig in unserem Stadtteil- und Begegnungszentrum. Ich unterstütze u.a. die Leiterin des Spielzimmers für die Grundschulkinder und leite seit einigen Monaten das durch Eltern geführte Mutter-Kind-Zimmer für die ganz kleinen bis 5 Jahre. Dazu habe ich vor kurzem die Leitung einer von Jugendlichen geführten "Kinderzeitung" übernommen.

Ähnlich wie bei Johannes Ponader schildert auch Nicole entsprechende Erlebnisse bei ihren Gängen auf das Amt. Besonders interessant ist dabei, daß sie das Konzept des Mitgehens oder eines Begleiters aufgrund ihres Schicksals durch den Verlust ihres Sohnes bereits vorher kennengelernt und erfahren hat, wie anders man dann dort auf dem Amt behandelt wird.

Umso deutlicher wird deswegen auch die Bedeutung dieser Initiative, oder wenn man so will: Bewegung: sie bringt den Betroffenen ein wenig Menschlichkeit zurück, weil sie ganz einfach menschlicher behandelt werden, wenn sie nicht alleine vor ihrem Sachbearbeiter sitzen. Wer schon einmal selber ALG2 bezogen hat, weiß aus eigener Erfahrung, daß man sich da schon ziemlich nackig machen muss, wenn man den Antrag stellt. Die Journalistin Bettina Hammer hat dies auch nochmal selber in einem Beitrag auf wirgehenmit.org dargestellt.

Außerdem zeigt das Beispiel der Mitläufer, wie sich Sachen, die im Netz entstanden sind, mittlerweile als Bewegung im wirklichen Leben manifestieren und der Allgemeinheit dienen können. Insofern ist das Projekt der Mitläufer und die Webseite http://wirgehenmit.org/ vielleicht sogar prototypisch für andere gesellschaftliche Beteiligungen und die Bedeutung von netzpolitischem Engagement in der heutigen Gesellschaft.

Bleibt nur zu hoffen, daß sich noch weitere Menschen wie Nicole finden, die Mitmenschen auf ihren Gängen in die Ämter begleiten und auch, daß das Projekt in der Bevölkerung an sich bekannter wird. Im Idealfall sollte niemand mehr alleine auf das Amt gehen müssen und jeder wissen, daß er das auch gar nicht braucht, weil es die Mitläufer gibt!

PS: Auf der Webseite gibt es auch PDFs zum selberausdrucken und weiterverteilen. Eines der PDFs findet ihr auch hier unter dem Artikel.

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